Historie
Historie
Vereins- Historie: Eine lange Tradition
Die Geburtsstunde unserer Kleingartenanlage schlug Ende 1922 / Anfang 1924.
Wenn auch heute niemand mehr den genauen Tag sagen kann, so zeigen doch Fotos, dass die Kleingartenanlage bereits 1922 / 1924 bestanden hat.
In dieser Zeit haben einige Idealisten und Freunde der Natur aus dem Ortsteil Zwötzen und Debschwitz der Stadt Gera die Kleingartenkolonie „Neudebschwitz“ gegründet.
Bestimmt auch aus der Not heraus, die zur damaligen Zeit und den Wirren der Nachkriegszeit in Deutschland herrschten.
Sie beschlossen das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, um die Versorgung ihrer Familien mit Kartoffeln, Gemüse und Obst zu sichern und ein Stückchen „heile Welt“ zu schaffen. Hier zogen sie sich zurück, um den Wirren der damaligen Zeit zu entfliehen. Auf einer ehemaligen Kiesgrube an der Elsteraue, die im Laufe der Zeit zu einer Mülldeponie umfunktioniert wurde, haben die Pioniere der Kleingartenanlage, die Gebrüder Willi und Walter Adler, Bruno und Richard Schönfeld, sowie Alfred Klopfer, Fritz Falkenberg, Alfred Breckau, Hardwig Neidhardt und Kurt Frei – um nur einige zu nennen – diese Fläche zu rekultivieren versucht, um eine Gemeinschaftsanlage aufzubauen.
Dafür spendete jedes Mitglied ein Darlehen von 50,00 Goldmark – ein hohes Opfer, wenn man bedenkt, dass durch die damalige Währungsreform, die den Spuk der Inflation beendete, der Wert einer Rentenmark eine Billion Reichsmark betrug.
Durch die Aktivitäten und dem Engagement unserer Gründer reichte die Pachtfläche bald nicht mehr aus und es wurde notwendig sich nach neuen Pachtflächen umzusehen.
Im Laufe der Jahre stieg diese Pachtfläche von 3 ha auf über 10 ha an.
Heute bewirtschaften wir in unserer Anlage 276 Parzellen mit insgesamt 101.700 m² Pachtland.
In jeder Periode der Entwicklung unserer Anlage, während der Weimarer Republik, der Zeit des Faschismus und der DDR, haben die jeweiligen Vorstände gemeinsam mit den Mitgliedern große Anstrengungen unternommen, um unsere Kleingartenanlage nicht nur zu erhalten, sondern auch zu erweitern und weiter zu entwickeln und um für die Kleingärtner und ihre Familien, wie es die Gründer der Anlage beabsichtigten:
– die Versorgungsengpässe bei Obst und Gemüse zu überbrücken,
– die gegenseitige Hilfe zu pflegen,
– die Bereitschaft der Kleingärtner für eine gepflegte Kleingartenanlage zu fordern und die Bevölkerung in das Vereinsleben mit einzubeziehen,
– das gesellige Leben im Verein zu pflegen.
Nach diesen Grundsätzen haben die Vorstände gehandelt und immer wurde mit mehr oder weniger Erfolg der Schrebergärtnergedanke verwirklicht, um in den Kleingärten die eigene Welt zu schaffen.
Aus der Vielzahl der Aktivitäten sollen nur wenige aufgezählt werden, wobei immer wieder Vorstandsmitglieder sich an die Spitze stellten und es verstanden haben die Mitglieder zu mobilisieren.
Zum Beispiel:
– der schrittweise Aufbau des Vereinsheimes aus einer alten Baracke in den sechziger Jahren,
– die Versorgung der Kleingartenanlage mit Strom in den siebziger und achtziger Jahren,
– die Versorgung der Anlage mit Trinkwasser in 2 Etappen:
– in der ersten Etappe lag die Versorgung des Vereinsheimes und die Schaffung öffentlicher Zapfstellen,
– in der zweiten Etappe Anfang der neunziger Jahre kam dann die Versorgung bis in die Kleingärten,
– den Wiederaufbau des durch Brandstiftung im Jahr 1990 zerstörten Vereinsheimes,
– Instandhaltung der Elektroanlage,
– Rekonstruktion und Erneuerung der Kegelbahn,
– Beginn der Pflasterarbeiten vor der Vereinsgaststätte.
Besondere Verdienste bei der Gestaltung der Gartenanlage erwarben sich dabei folgende Mitglieder des Vorstandes:
Eberhard Stanke,
Klaus Kummetsteiner,
Rolf Hornfeck,
Manfred Weise,
Dieter Scholz,
Gerhard Fröhlich,
Bruno Borath,
Georg Hiller,
Gustav Mathusalem,
Hans-Jörg Lange
Ihre Vorbildwirkung fand in den materiellen und finanziellen Leistungen der Mitglieder ihren Niederschlag. So erbrachte jedes Mitglied neben seinen Arbeitsleistungen auch finanzielle Leistungen, wie zum Beispiel 50,00 DM zum Wiederaufbau des Vereinsheimes.
Aber nicht alles verlief in unserer Kleingartenanlage in dieser Zeit problemlos.
So mussten 70 Kleingärten dem Bau der Straßenbahn und einer Kindereinrichtung weichen. Der Bau der Heiztrasse Gera-Lusan führte dazu, dass über 20 Parzellen verkleinert wurden.
Dass aber Erfolge nicht ausbleiben, wenn Mitglieder einheitlich handeln, zeigt die Aktion unter der Leitung des damaligen Vorstandes von Herrn Stanke und Herrn Kummetsteiner als ein großer Teil der Kleingartenanlage dem neuen Verkehrshof in den siebziger Jahren weichen sollte. Durch persönliche und kollektive Stellungnahmen und den Eingaben bis zum Staatsrat der DDR wurde der Bau nicht durchgeführt und ist heute vom Tisch. Es zeigt sich heute wie damals, dass immer, wenn es dem Vorstand gelingt, die Mitglieder für eine Sache zu begeistern und geschlossen zu handeln, die Erfolge nicht ausbleiben.
Im Jahre 1990 war ein weiterer Meilenstein in der Geschichte unserer Anlage.
Wir wurden das erste Mal ein juristisch selbstständiger Verein, mit eigener Satzung und Kleingartenordnung, in dem die Mitglieder ihr Leben selbst bestimmen und die gemeinsamen Aufgaben jährlich festlegen konnten.
Zum 70. Jahrestag der Gründung unserer Kleingartenanlage, im Jahre 1994, konnten wir unser wieder neu aufgebautes Vereinsheim unseren Mitgliedern und den Einwohnern von Zwötzen zur Verfügung stellen.
Auch mancher Wanderer und Radfahrer, der den Thüringer Wanderweg entlang der „Weißen Elster“ nutzt, macht bei uns im Vereinsheim Rast.